Glück im Unglück. Während dem Rollen auf dem Flugplatzvorfeld in einer Rechtskurve berührte der Propeller der HB-RTW bedauerlicherweise den Boden. Die reduzierte Sicht vom linken Pilotensitz aus und die grosse Turbinenhaube verunmöglichten es mir, ein Bodenhindernis rechtzeitig zu sehen. Durch diesen ungeplanten Bodenkontakt sind einige Kratzer an zwei Propellerblättern entstanden. Im Cockpit selber spürte ich weder eine Veränderung der Turbinenleistung, noch hörte ich ein auffallendes Geräusch.

Glücklicherweise war die 100-Stundenkontrolle ohnehin fällig. In einem Zug konnte man die umfangreichen Wartungsarbeiten, welche gesetzlich vorgeschrieben sind, durchführen. Unser Top-Schweizermechaniker Toni Bürgi von der Firma Aircraft Maintenance Grenchen machte einmal mehr einen sensationellen Job. In Zusammenarbeit mit den Flugzeugmechanikern der Firma O&N Manufactors gingen die Arbeiten schnell und hochprofessionell voran.

Die Firma O&N Manufactors ist ursprünglich das Mutterhaus von der HB-RTW und der Cessna 210 Turbine. Die Firma O&N hat sich auf die Umrüstung der serienmäßigen Cessna C210 mit Kolbenmotor spezialisiert und installiert jeweils eine high-performance Rolls-Royce Turbine mit standardmäßig 450 PS. Man kann das mit Mercedes und AMG vergleichen, wobei die Firma AMG aus den Serienautos von Mercedes übermotorisierte Sportwagen herstellt.

Mr. Olson von der Firma O&N fragte mich, ob ich in die Schweiz zurückreisen wolle, da die bevorstehenden Arbeiten zwei bis drei Monaten dauern würden. Sollten auch noch Teile von Rolls Royce bestellt und ausgewechselt werden, würde es 6 Monate lang dauern. Frühestens im Winter könnte ich zurückfliegen.

Die niederschmetternde Nachricht weckte den Kampfgeist in mir. Jetzt erst recht! Der Guinness Weltrekord und das UNICEF – Projekt standen auf dem Spiel. Ich erklärte den Spezialisten meine Situation. Ich zeigte ihnen auf Youtube den Startevent in Dübendorf. Da sahen sie die HB-RTW -ihr Baby- in den Medien. Es war das dritte Flugzeug, das 1982 von der Firma O&N umgebaut worden war. Jetzt war es zurückgekommen und brauchte dringendst ihre Hilfe. Die Mechaniker freuten sich über die Rückkehr des Fliegers! Sie waren begeistert von unserm Projekt und fest entschlossen, uns so schnell als möglich zu helfen. Sie nahmen Kontakt mit Kunden auf, welche Propeller bestellt hatten, und konnten sie überzeugen, dass ihr Propeller für unser Projekt benutzt werden durfte.

Innert weniger Stunden bauten die Experten die Turbine aus und schickten sie zur Firma Keystone Turbine Services. Im Eiltempo wurde anschließend, unter Anleitung von Rolls-Royce, die Turbine bis auf die letzte Schraube demontiert. Siehe auch Video.

Durch die enge Zusammenarbeit und Priorisierung der Turbineninspektion und vor allem dank dem großen Entgegenkommen vieler Beteiligter können die Wartungsarbeiten so organisiert werden, dass ich voraussichtlich planmässig am 29. September 2012 in Dübendorf landen werde.

Zur Feier des baldigen Weiterfluges nach Canada und anschliessend nach Grönland, England, Deutschland zurück in die Schweiz werden wir die Flugetappen Hamburg – Dübendorf und Dübendorf – Wien in unserer Sammelaktion für UNICEF www.myskymile.com, freischalten. Es gilt first come – first serve!

Heute, Dienstag, 18. September 2012 fahre ich nochmals zur Firma Keystone und werde Euch über die aktuellen Arbeiten updaten. Heute und morgen wird die Turbine fertig zusammengesetzt und auf ihre Tüchtigkeit geprüft! Ich wünsche allen einen erfolgreichen Tag und bis bald in Dübendorf am 29. September 2012. Übrigens, der Landeevent auf dem Militärflugplatz Dübendorf beginnt um 11:00 Uhr auf dem gleichen Areal wie beim Take-Off am 11. Juli 2012.

See you soon – Carlo!