Allmählich wurde es hell im kleinen Hotelzimmer. Die schrillen Töne meines Mobilweckers holten mich gänzlich aus dem Halbschlaf. Ich spürte meinen verspannten Rücken und richtete mich langsam auf. Ich lief zum Lavabo und wusch mir mein Gesicht mit kaltem Wasser. Jetzt folgten die täglichen Fitnessübungen. Da keine Dusche zur Verfügung stand, gab es heute nur eine knappe Morgentoilette. Auf dem Weg zum Hauptgebäude des Hotels, traf ich Lester. Er half mir beim Ausfüllen der Papiere für die Weiterreise und die Ausreisebewilligungen. Mit einem alten Jeep fuhren wir durch die fruchtbare, üppige Landschaft zum Flugplatz. Dort tankte ich das Flugzeug auf. Meine Uhr zeigte kurz vor 0800 Uhr Ortszeit. Die HB-RTW hat fünf Tankeinlässe. Da es etwas umständlich ist, die langgezogenen Tankbehälter aufzufüllen, mach ich das lieber selber. Pünktlich um 0900 Uhr Ortszeit hob die Cessna ab und ich flog gut gelaunt Richtung Taiwan, Taipeh. Auf einmal fiel die Fluganzeige aus. Das sind meine primären Informationen zur Flugzeuglage, Geschwindigkeit, Flughöhe, zu Radial und GPS Position. Das war ungewohnt, aber ich wusste, dass ich mit den Sekundärinstrumenten ebenfalls irgendwie zum Ziel fliegen konnte. Einzig beim Anflug hätte ich Probleme mit der genauen Flugzeugpositionsanzeige. Ich startete das System neu auf. Es lief glücklicherweise wieder einwandfrei. Nebst den Funkmeldungen programmierte ich meine Flugroute nochmals neu im System und flog wie geplant weiter. In Taipeh war es stark bewölkt. Die Einteilung des Landeanfluges erforderte höchste Konzentration. Stets erhielt ich neue Anweisungen für die Flugzeugrichtung, Geschwindigkeit und Höhe. Der Controller lotste mich zwischen den grossen Jumbojets in den Endanflug. Endlich erhielt ich Landeerlaubnis vom Tower. Der Flugplatz in Taipeh ist riesig. Ich brauchte einige Zeit, bis ich verstand, wohin ich genau durchrollen musste und wo schlussendlich meine Parkposition war. Ich fragte ein paarmal nach und erreichte so mein Ziel. Es regnete. Hastig packte ich meine drei Taschen, verliess den Flieger und rannte unter ein schützendes Dach. Nach etwa 20 Minuten traf die zuständige Handling-Person ein, welche mich außerhalb des Flughafens begleiteten sollte. Bevor ich jedoch den Flughafen verließ, verhandelte ich über eine Stunde über die Gebühren für die Landung und den morgigen Start nach Japan. Mit Bus und Taxi gelangte ich zu einem Hotel in Taipeh. Die Stadt machte einen sehr sauberen Eindruck .Die Leute hier sind außerordentlich freundlich und zuvorkommend. Ich checkte im Hotel ein und wollte unbedingt den Taipeh 101 Tower besichtigen. Vorher nahm ich noch kurz eine Dusche. Für nur drei Dollar fuhr ich 25 Minuten lang mit dem Taxi zum Tower. Es wurde bereits etwas dunkel. Nur 35 Sekunden dauerte die Fahrt mit dem Lift in die 89. Etage vom 2. höchsten Wolkenkratzer der Welt, benannt nach seinen 101 Stockwerken. Oben angekommen, sah ich die ganze Stadt Taipeh. Es war sehr eindrücklich. Mit einem Headset hörte ich den Beschrieb der jeweiligen Sehenswürdigkeiten rund um den gigantischen Tower. Da gabs auch Wifi auf der 89. Etage. De Hammer! Ich konnte mit der Internetverbindung via Skype einige Anrufe in die Schweiz tätigen! Darüber freute ich mich riesig. Dann machte ich mich wieder auf den Weg nach unten. Ich spürte einen etwas unangenehmen Ohrendruck, als ich unten angekommen war. Es war nun 0800 Uhr am Abend und es wurde mir plötzlich bewusst, dass ich seit dem Frühstück noch gar nichts gegessen hatte . Spontan lief ich ins nächste Restaurant. Es hieß Dazzling. Ich bestellte einen grünen Caesar Salat mit französischem Dressing. Die Bedienung war sehr freundlich Ich schaute mich um. Hier verkehrten vor allem Jugendliche in meinem Alter. Das Essen war sehr günstig. Ich bezahlte und wollte das Restaurant verlassen. Da sprachen mich zwei Einheimische an. „From where are you man?!“ fragte der eine und schon waren wir im Gespräch. Bald gesellte sich die Inhaberin der Dazzling-Restaurant-Kette dazu und schon standen da auch noch Mode-Designerinnen und weitere Unternehmerinnen und Unternehmer. Alle waren im Alter zwischen 25 Jahren und 35 Jahren. Wir setzten uns an einen größeren Tisch und genossen die offerierten Köstlichkeiten der taiwanesischen Küche. Ein deutscher Manager des W Hotels, der seit Jahren zur Gruppe gehört, sagte mir, dass ich Glück hätte , diese Jugendlichen aus sehr traditionsbewussten Familien kennen gelernt zu haben, da diese äusserst selten Kontakt mit Westeuropäern aufnehmen würden. Ich freute mich über diese unerwartete Begebenheit. Morgen geht es weiter nach Japan, Nagasaki. Bald habe ich die Hälfte meiner Weltumrundung hinter mir.

Diesen Flug haben mitgetragen: Marcel Stocker mit 10 Meilen, Jacqueline Hess mit 10 Meilen, Manuela Cesarini mit 5 Meilen, Jarno Slagmolen mit 3 Meilen. Danke vil mal und herzliche Grüsse – Carlo.