Wir schreiben Aviatikgeschichte!
(Hamburg – Dübi; letzter RTW-Bericht 80 days!!)

Wiederholt wachte ich in der Nacht auf. Ich blickte auf die Uhr: 3.07 Uhr morgens, 4.49 Uhr morgens, 6.00 Uhr Zeit zum Aufstehen. Heute absolvierte ich nur die Hälfte meiner Fitnessübungen, nahm eine Dusche und begab mich zum Frühstücksbuffet. Ich war gespannt und nervös. Jeder Tag meiner Reise war ein besonderer Tag. Aber heute würden wir, das RTW Team und ich unser grosses, angestrebtes Ziel erreichen. Das war schon etwas ganz Besonderes.

Die Kinder des Hotelmanagers Tashi Takangs sahen mich erwartungsvoll an, sie wünschten sich ein Foto mit mir. Natürlich erfüllte ich ihnen den Wunsch. Tashi fuhr mich in seinem dunkelblauen BMW zum Flughafen. Unser Gespräch über die Europakriese lenkte mich etwas ab.

Sorgfältig bereitete ich mich auf den letzten Flug vor. In Hamburg war es leicht bewölkt, zeitweise hellte es etwas auf. Für die Schweiz sah das Wetter eher schlecht aus.

Um 09.55 Uhr telefonierte ich mit Martin Vetter auch bekannt unter dem Namen DJ vom PC7-TEAM. Das Air Force Swiss PC7 –TEAM gehört zur Schweizer Luftwaffe. Die Mitglieder sind Berufspiloten, welche die allerhöchsten, fliegerischen Leistungen erbringen. Wir tauschten die letzten Informationen aus. Das Flugprogramm am Flughafen Dübendorf hatten wir bereits am Vortag im Detail besprochen. Ich füllte die erforderlichen Liter Flugbenzin für die Schlussetappe meiner Weltumrundung ein und schon ging es los. Ich linierte auf der Piste 15, beschleunigte und hob ab. Der Wind blies kräftig in die Gegenrichtung. Ich flog etwas tiefer als sonst, da die Stärke des Gegenwindes auf verminderter Höhe abnimmt. Mit meinen Gedanken war ich bereits beim PC7-TEAM, bei meiner Familie, bei meinen Freunden, in meiner Heimat .

Auf einmal hörte ich die bekannte Stimme von meinem Kollegen Marc von der SkyGuide, am Flugfunk. Ich spürte mein Herz schneller schlagen. In wenigen Minuten werde ich auf Schweizer Boden aufsetzen.

Auf der Höhe des Flugplatzes Lommis traf ich auf das berühmte PC7-TEAM. „Carlo vo Turbo UNO, flüg jetzt mal heading 150°, du gsesch ois denn zu dinere linke“ hörte ich DJ’ s Stimme am Flugfunk. Gesagt – getan und plötzlich wie aus dem Nichts tauchten auf meiner linken und rechten Seite die PC7 Flieger auf. Ich winkte dem Piloten an meiner linken Seite zu, er winkte zurück. Dieser Gruss bedeutete mir viel mehr als nur ein Winken, es war ein Willkommensgruß, willkommen zurück in der Schweiz, ich war angekommen.

Ich flog nun gerade aus auf Heading 150° und hinter mir in wenigen Metern Abstand schwebten elegant die neuen, schnittigen PC7 Flieger der Schweizer Luftwaffe. Zusammen sanken wir von knapp 4’000 Fuss auf 3’000 Fuss ab. Der zehnte Flieger „Kodak“, das ist der Fotoflieger vom Militär mit Top-Pilot Werner Hoffmann genannt „Höffi“ kam nun ins Spiel. Er flog mehrere grosse Rollen über die Staffel. Nach einigen Sekunden leitete ich gemäß dem Kommando von DJ eine Linkskurve ein, auf Heading 330°. Es ist extrem wichtig, dass das Einleiten der Kurve langsam und sauber verläuft. Ein kleiner Schwenker mit meinen Flügeln, bedeutet einen Schwenker von mehreren Metern für den äußersten PC7-Flieger der Formation. Es folgten einige weitere Kurven und bald flogen wir wie geplant Richtung Flughafen Dübendorf. Wir mussten den tiefliegenden Wolken ausweichen und je mehr wir uns dem Flughafen Dübendorf näherten, desto schlechter wurde die Sicht. Ich kontrollierte nochmals, ob ich meine Landescheinwerfer auf „ON“ hatte und flog nun Richtung Pistenbeleuchtung Runway 29. Von 3’000 Fuss Höhe sanken wir auf 1’800 Fuss über dem Boden. Auf meiner linken Seite sah ich viele Leute mit bunten Regenschirmen winken. Auf der Höhe am Ende der Piste 29 kam die Rechtskurve. Höchste Konzentration war gefordert. Gemeinsam drehten wir nun nach rechts. An meiner Seite sah ich die beiden Top-Militär-Piloten. Es erfüllte mich mit unbändigem Stolz neben diesen Piloten fliegen zu dürfen. Wir flogen nun direkt über die RTW’ler und das Publikum. Ich machte eine Kurve nach links und leitete den Anflug auf die Piste 29 ein. Das PC7-TEAM hatte sich nun von mir getrennt und blieb oben. Sauber landete ich die HB-RTW auf der Piste, wo ich vor 80 Tagen am 11. Juli 2012 gestartet war.

Die Räder berührten den Boden und ich wusste, die ganze Arbeit vom RTW-Team hatte sich gelohnt. In den letzten sieben Jahren hatten wir tausende von Freizeitstunden geopfert. Nächte lang hatten wir für diesen Moment gearbeitet. Unzählige Male waren wir an unsere Grenzen gekommen und nun waren unsere Träume in Erfüllung gegangen. Ich rollte ans Ende der Piste, drehte nach links und sah bereits meine Freunde warten. Ich war unbeschreiblich glücklich, als ich zwischen den beiden roten Feuerwehrautos unter der Wasserfontäne durchrollte. Den Flieger parkierte ich direkt vor meinen Freunden. Hunderte von bekannten und unbekannten Gesichtern strahlten mir entgegen. Ich war den Tränen nahe. Bewegt stieg ich aus dem Flieger. Ich lief zu meinem Vater und umarmte ihn. Dann sah ich meine beiden Brüder Klemens und Lukas, sowie viele Freunde und Bekannte.

Alessandra Manfredi führte mich gleich zu den Medien. Ich beantwortete die Fragen vom Schweizer Fernsehen SF, Tele M1, Tele TOP und Tele Zürich. Die Zeit war knapp. Gleich darauf folgte das Interview vor dem Publikum auf der Bühne. Obwohl ich sämtliche „Grüezis“ und „Hallos“ in allen Landessprachen meiner angeflogenen Länder auswendig gelernt hatte, waren die jetzt nicht mehr abrufbar. Zu viele Gefühle hatten mich überrollt . Ich beantwortete die Fragen von Chregi und die aus dem Publikum.

Während der Weltumrundung hatten wir Geld für die UNICEF gesammelt. Jetzt konnten wir schon mal CHF 50’000.- in Form eines Checks an UNICEF überreichen.

Es folgten weitere Medieninterviews. Unterwegs baten mich Leute um Fotos und Unterschriften. Leider konnte ich ihnen nicht entgegenkommen, das Zeitprogramm war zu gedrängt. Aber ich denke, es wird sich schon etwas machen lassen. Ich werde mich darum kümmern.

Vom PC7-Team erhielt ich eine Fotografie von der soeben geflogenen Formation ,bereits in einen Bilderrahmen eingefügt und unterzeichnet von allen Top-Militärpiloten. Dieses tolle Geschenk bedeutet mir sehr viel. Die restlichen Stunden des Tages verbrachte ich mit der Familie, dem RTW-Team und den Sponsoren.

Ich freute mich darauf, wieder in meinem eigenen Bett schlafen zu können.

Ich freue mich, mit allen Helfern und Beteiligten weiterhin in Kontakt zu bleiben sowie auf die nächsten spannenden Projekte. Vielen Dank !

Herzliche Grüße Euer Carlo

Link zum PC7-TEAM

www.pc7-team.ch