Müde knipste ich die Nachttischlampe aus und schloss die Augen. Ich flog wieder über die Eislandschaft Grönlands, stieg an den schroffen Felsen hoch, glitt über das weite Meer den brennenden Lichtern einer Stadt entgegen. Die Bilder lösten sich auf und ich fiel in einen tiefen Schlaf.

Am Morgen stand ich früh auf und öffnete das Fenster. Draußen hing dichter, grauer Nebel. Ich fröstelte. In der Cafeteria schmierte ich dick Butter auf ein Stück Brot und streute reichlich Kakaopulver drauf. Dazu gab es Rührei und Schinken. Der heiße Kaffee wärmte mich auf. Am Tisch mir gegenüber sass ein Hotelgast mit der Zeitung in der Hand. Auf der Titelseite die HB-RTW mit mir im Vordergrund. Fast hätte ich das Last-Minute Blitzinterview nach der Landung gestern vergessen. Die beiden Reporter hatten es also noch geschafft, den Artikel und das Bild rechtzeitig für die Frühausgabe abzuliefern. Ich besorgte mir auch ein Exemplar der Zeitung.

Kurz darauf checkte ich beim Hotel aus und begab mich zum Piloten Briefing Raum. Dort informierte ich mich wie üblich über die aktuelle Wetter Situation, Windrichtung und Windstärke sowie die Gefahrenzonen. Dann erstellte ich die Routenplanung!

Ein Flughafenmitarbeiter streckte den Kopf zur Tür herein und fragte mich, ob ich noch Flugbenzin benötigen würde.“ Ja , “ antwortete ich ,“ ich werde gleich zum Flieger kommen.“ Konzentriert und sorgfältig schloss ich die Vorbereitungen ab und machte mich auf den Weg zum Flugzeug. Der Flughafenangestellte war eben dabei, das falsche Benzin in den Flugzeugtank einzufüllen. Anstatt JET-A flossen jetzt einige Liter von Avgas 100LL in den Tank! Schnell und energisch griff ich ein. Der Arbeiter hatte den Kleber für die richtige Fuel-Bezeichnung gleich neben der Öffnung des Fuel-Einlasses nicht beachtet. Bei der Fliegerei darf nichts unkontrolliert bleiben! Sofort verschob ich die Abflugzeit um 90 Minuten. Im Flughandbuch konnte ich nachlesen, dass bei Startproblemen der Turbine oder nicht Verfügbarkeit des Kerosins JET-A/A1 auch ein Drittel Avgas mit zwei-Drittel JET-A Fuel verwendet werden können. Trotzdem entschied ich, den gesamten Flugzeugtank zu leeren. Ich wollte auf Nummer sicher gehen, vor mir lag eine lange Strecke über dem atlantischen Ozean. Während das Benzin wieder aus dem Tank herausrann, unterhielt ich mich mit den einheimischen Feuerwehrmännern. Ich nutzte die Zeit auch, um die Fenster vom Schmutz zu befreien und etwas aufzupolieren. Bis auf den letzten Tropfen leerten wir den Tank und füllten ihn nachher mit dem für den Flieger bestgeeigneten Flugbenzin auf.

In Manchester hätte ich eine Präsentation an der Pro Linguis Schule halten sollen. Die fiel jetzt ins Wasser. Ich konnte unmöglich rechtzeitig dort ankommen.

Die Verantwortlichen für das Missgeschick entschuldigten sich und verrechneten mir dafür keine Kosten für den Treibstoff. Ich bedankte mich und stieg ins Flugzeug. Auf dem Weg zur Startpiste RWY 01 sah ich links und rechts je ein Feuerwehrauto. Ich ahnte, was da kommen würde und freute mich schon im Voraus. Als ich zwischen den beiden Fahrzeugen durchfuhr, schoss das Wasser aus den Wasserkanonen und über mir entstand für ein paar Sekunden ein tosendes Wassertor genau wie in New York. Eine grosse Ehre für mich.

Der Morgennebel hatte sich längst verzogen, ich konnte unter dem blauen Himmel losfliegen.Nach einem letzten Check hob ich ab und drehte kurz nach dem Start nach links. Im Tiefflug überflog ich die Vulkaninsel. Eine spektakuläre Landschaft tat sich unter mir auf. Binnenseen, saftig grüne Flecken, eigenwillig geformte Täler, eine fast magische Gegend. Ich verstand nun, weshalb so viele Leute einmal in ihrem Leben nach Island reisen möchten. Die Menschen hier sind auch sehr freundlich, man fühlt sich wohl.

Während dem Flug direkt nach Prestwick hatte ich ständig etwas zu tun. Alle paar Minuten kamen Änderungen von den Kontrollern, den Flugfunkern. Starke Turbulenzen und Seitenwinde, mit einer Stärke von über 50 km/h , begleiteten den Anflug auf Prestwick. Die Landung dort, sowie der Weiterflug nach Manchester verliefen aber problemlos.

In Manchester regnete es in Strömen. Erschöpft, durchnässt und unterkühlt kam ich endlich im von ProLinguis offerierten Hotel an. Ich hatte einen langen und anstrengenden Tag hinter mir! Morgen geht’s weiter nach Hamburg. Von dort ist es nur noch ein Katzensprung zurück in die ersehnte Heimat.

Herzliche Grüsse und bis bald Carlo.