Die warmherzigste Begrüssung – Flug von Denver nach St. Joseph

Heute Morgen gab es ein üppiges,traditionelles amerikanisches Frühstück. Ich wollte gestärkt sein für den Flug nach St. Joseph. Auf zwei Tellern stapelte ich Pfannkuchen, Speck, Burger und Spiegeleier. Die Portion hätte wohl für drei Personen gereicht. Josh brachte mich zum Flugplatz. Auch der Flieger musste voll aufgetankt werden. Nach dem letzten Kontrollgang rund um das Flugzeug war ich startklar. Die Windrichtung und das Wetter hatte ich geprüft. Es wehte ein leichter Wind von Westen nach Osten. Der Himmel war blau. Wolken waren keine zu sehen. Ich startete die 510 PS starke Turbine, rollte auf die Flugpiste und beschleunigte. Zuerst hob das Vorderrad ab, dann die beiden hinteren Haupträder. Wenig später betätige ich den Hebel, um das Fahrwerk einzufahren und erledigte den Clime-Check, den Check während dem Steigen. Alles war im grünen Bereich. Mit Rückenwind gelangte ich pünktlich nach St. Joseph. Dort war es stark bewölkt. Mit kleinen Ausweichmanövern schlängelte ich mich an den tiefhängenden Wolken vorbei. Ich liebe es, durch die Wolken zu sausen! Sanft setzte ich die Cessna auf. Vom Tower kam eine Durchsage: „hotel-bravo-romeo-tango-wihsky (HB-RTW), turn next right into taxiway alpfa (A) and park then infront of the main hangars, just next the big group of people, I whish you a good time in St. Joseph“. Ich brachte die Cessna HB-RTW zum vorgesehen Abstellplatz. Von weitem sah ich Leute mit grossen Schweizerfahnen, und Kameras. Alle winkten. Ich wusste, dass ich in St. Josph erwartet wurde, aber so viele Menschen, das hatte ich mir nicht vorgestellt. Ich stoppte das Flugzeug und stellte den Motor ab. Aussteigen durfte ich auf einem roten Teppich. Zwei Alphornbläser spielten heimatliche Klänge zur Begrüssung. Jetzt wurden ein paar Fotos für die Medien geknipst, dann gab es eine Pressekonferenz in einem der grossen Hangars. Für die Verpflegung sorgte ein Catering mit lokalen Spezialitäten. Neben einer riesigen amerikanischen Flagge und einer Schweizerfahne stellte ich das Projekt RTW2012 den Interessierten vor. Alle waren begeistert und wünschten mir viel Glück für die zukünftige Reise. Major Bill Falkner überreichte mir eine Auszeichnung in Form eines Schlüssels der Stadt St. Joseph. Ich wurde mit vielen Geschenken überhäuft, T-Shirts, Pins, einem richtigen Cowboy-Hut ….. Zur Veranstaltung gehörten auch zwei TV-Interviews vor dem Flugzeug HB-RTW.

Dann machte Ronald G. Wade, ein pensionierter Tierarzt, mit mir eine außergewöhnliche Stadtführung. Ich durfte in seinem Privatflugzeug, als Co-Pilot die Stadt St. Joseph von oben bewundern. Ronald erklärte mir, wie die 75000 Einwohner zählende Stadt aufgebaut wurde und erzählte von ihren Sehenswürdigkeiten in den einzelnen Vierteln. Man merkte, dass Ronald sein Flugzeug liebte, butterweich setzte er auf. Wir parkierten den Flieger in einem Hangar. Schnell luden wir mein Gepäck auf Ronald’s Pick-Up und fuhren zum Hotel. Der Grüetli Verein St. Joseph und Bill Falkner hatten mir das schönste Hotel im Ort offeriert. Nachdem wir das Gepäck im Zimmer deponiert hatten, fuhren wir alle zusammen zu einem Restaurant. Es gehörte zum Casino St Jo Frontier. Als die Besitzer hörten, dass ich als jüngster Pilot allein um die Welt fliege und einen Guinness World Rekord erlangen möchte, schenkten sie mir nebst Casino Spielkarten, Cap und T-Shirt auch das feine Nachtessen. So viele Geschenke und Aufmerksamkeiten an einem Tag hatte ich noch nie bekommen! Im Hotelzimmer erledigte ich einige Skype-Calls in die Schweiz, um die nächsten Flugetappen zu koordinieren und schlief dann müde aber glücklich ein.

Am folgenden Tag führte mich Marshall Hosting, ein Reporter der St. Joseph News-Press, durch die Straßen von St. Joseph. Er kannte fast bei jedem Haus das Baujahr und wusste zahlreiche Geschichten zu erzählen. Das Museum vom Pony Express in St. Joseph faszinierte mich ganz besonders.

1860 gründete William Russell mit zwei Partnern eine Postlinie von Sacramento Kalifornien bis nach St. Joseph. Junge Reiter, die jüngsten waren 14 Jahre alt, ritten im Eiltempo mit etwa 10 kg Post zur nächsten Station, wo sie ihre Fracht dem folgenden Reiter mit ausgeruhtem Pferd übergaben. Die Burschen mussten unter 18 Jahre alt sein und durften nicht viel Gewicht haben! Ein harter und abenteuerlicher Job! Rund 400 Pferde waren im Einsatz für eine Strecke von über 3000 Km zum Teil durch feindliche Indianergebiete.

Am Nachmittag fuhren wir zum Flugplatz. Nicht etwa, weil ich weiterfliegen musste, sondern weil es da viel zu sehen gab. Auf dem Flugplatz ist eine militärische Überlebensbasis der US Air Force stationiert. Riesige Transportflugzeuge standen auf dem Vorplatz. Commander Colonel Ed Black und Commander Colonel Michel Pankau führten mich durch die Lagerräume, durch die Hangars und zu den Militärflugzeugen. Die Piloten schilderten mir ihre Lufteinsätze über den Kriegsgebieten. Sie erzählten mir vieles über die militärische Pilotenausbildung und die Hürden, welche junge Piloten heute überwinden müssen. Die beiden US-Air-Force Piloten hatten den Bericht über unser Projekt in der Morgenzeitung gelesen und wollten natürlich noch mehr wissen. Die Zeit verging, wir mussten pünktlich in der grossen Bibliothek erscheinen. Mit Bildern, Videos und unserem RTW-Song präsentierte ich das Projekt RTW2012 – Round the World for Children for UNICEF. Die Präsentation war öffentlich und viele Leute waren anwesend. Nach einer längeren Fragerunde und Fotoshootings folgte ein Live-Interview mit der Fernsehstation KQTV2. Es war mein erstes Live-Interview mit einer TV-Station und etwas gewöhnungsbedürftig. Zum Abschluss des Tages gab es ein überdimensionales BBQ-Steak.

Am Abend traf ich mich mit dem Piloten Zane Goforth in einem Local zu einem Drink. Zane ist 29 Jahre alt und lernte bereit mit 14 Jahren bei seinem Vater fliegen. Heute ist er einer der jüngsten first officer eines „Jumbos“ Boeing 747 und darf seit einem Jahr international fliegen! Schliesslich kehrte ich ins Hotel zurück, um mich für die nächste Flugetappe nach Indianapolis auszuruhen. Der Aufenthalt hier in St. Joseph war einer der eindrücklichsten meiner bisherigen Reise. Ich werde diesen herzlichen und liebenswürdigen, ja fürstlichen Empfang nie vergessen.

Unsere Sammelaktion über www.myskymile.com haben unterstützt : Anonymer Sponsor mit 10 Meilen, Mona Schmidlin-Lichtsteiner mit 10 Meilen, Laura Pallavicini mit 10 Meilen Heidi Chitoni mit 10 Meilen, Stefanie Zimmermann mit 10 Meilen, Jennita Wilson mit 5 Meilen, Walter Blunschi mit 5 Meilen, Nicolà, Andrin, Cornelia & Marcel Gamper mit 3 Meilen, Burga Etter mit 1 Meile

Vielen Dank und herzliche Grüsse aus dem wunderschönen St. Joseph Carlo