Der Flug nach Denver verlief ohne grössere Schwierigkeiten. Unter dem tiefblauen Himmel flog ich weite Strecken über fantastische Landschaften Richtung Ziel. Erst über den Rocky Mountains wurde es etwas turbulent. Aufkommende Winde schoben und zerrten am Flugzeug. Mit den Monsunwinden in Asien war das nicht zu vergleichen, aber es schüttelte immerhin etwa so wie im Geländewagen auf den holperigen Landstraßen in Anadyr. Von weitem sah ich einzelne ausgedehnte, graue Schatten: Regenschauer. Diese versuchte ich in grossen Kurven zu umfliegen. Manchmal konnte ich es nicht verhindern und musste doch durch eine Regenwand. Dann schlugen dicke Tropfen an die Scheiben. Die Landung in Denver erfolgte sauber auf Piste 26. Es war heiss, als ich ausstieg. Nur ein leichter Wind brachte etwas Kühlung. Ich holte meine drei Taschen aus dem Flugzeug und begab mich zum Clubhaus. Bis auf einen älteren Mann war kein Mensch zu sehen. Ich begrüsste ihn und fragte, ob ich ein Telefonat erledigen könnte. Er zeigte mit dem Zeigefinger in die entgegengesetzte Richtung und sagte „one hundred feet straight ahead, than left“. Von dort aus rief ich Josh, meine Kontaktperson hier in Denver, an. Pro Linguis hatte das in die Wege geleitet. Nach dreiviertel Stunden holte er mich mit seinem Auto am Flugplatz ab. Josh ist Amerikaner und arbeitet als Sales und Marketing Manager bei der Schule Bridge. Es war sehr interessant mit ihm zu diskutieren und etwas über die Mentalität der Amerikaner zu erfahren. Am Bahnhof holten wir seine Frau Mandy ab. Sie kam von der Arbeit. Wir fuhren zu meinem Hotel und ich brachte im Eiltempo mein Gepäck aufs Zimmer. Gleich darauf machten wir uns auf den Weg zu Buffalo Bills Grabstätte. Buffalo Bill kennt hier jedes Kind. 1846 wurde er geboren und auf den Namen William Frederick Cody getauft. Er war Postbote des Pony Express, das war ein Postbeförderungsdienst mit meist sehr jungen Reitern. Im Bürgerkrieg, sowie im Krieg gegen die Sioux- Indianer war er Späher. Er jagte Büffel, um das Fleisch an die Arbeiter der Kansas Pacific Railway zu liefern. Als sehr erfolgreicher Büffeljäger erhielt er den Namen Buffalo Bill „ Büffel Willi“. Ned Buntline ein Journalist aus New York lernte ihn kennen und schrieb Theaterstücke und Romane über ihn. Allerdings waren die Erzählungen stark übertrieben. So wurde Buffalo Bill zu einem bekannten Helden und Pistolenschützen in Indianergeschichten. William Cody nutzte seine Bekanntheit als Buffalo Bill und organisierte 1883 eine Wildwestschau mit echten Indianern, Cowboys, Büffeln und Pferden. Mit dem ganzen Tross reiste er durch Europa und sorgte dafür, dass er auch dort bekannt wurde. Das einfache Grab ist von einem eisernen Zaun geschützt. Dutzende von weißen, faustgroßen Steinen sind nebeneinander angelegt und von roten flachen Platten eingefasst. Eine in den Grabstein eingelassene Tafel erinnert an die schillernde Figur des Wilden Westens. Dann fuhren wir zu einem Aussichtspunkt auf einer Plattform am Fuss der Rocky Mountains. Von da aus sahen wir über ganz Denver. Es war eindrücklich. Mit einem Fernrohr konnte man die Gegend genauer betrachten. In einem nahe gelegenen Restaurant bestellten wir uns eine kühle Cola und etwas für den kleinen Hunger. Wir verglichen das Leben in der Schweiz mit dem in Amerika. Was ist anders, was ist besser, was schlechter? Vor- und Nachteile. Einmal mehr wurde mir in diesen Diskussionen bewusst, dass die Schweiz ein tolles Land ist! Man hat da so viele Möglichkeiten! Nach dem angeregten Gespräch fuhren wir zu einem Reggae-Konzert ganz in der Nähe. Wir hatten zwar keine Tickets aber von weitem konnten wir das riesige Amphitheater bestaunen. Es lag ebenfalls am Fuss des Rocky Mountains. Es befand sich zwischen gewaltigen Felsen und verfügte dadurch über eine sehr gute Akustik. Später luden Josh und Mandy mich zu einem mexikanischen Essen ein. Tortillas, guacamole, arroz con pollo… Es gab soviel zu erzählen. Vom Projekt RTW2012 waren die beiden hell begeistert. Nachdem wir den Hunger gestillt hatten, fuhren wir zum Hotel, wo ich mich kurz hinlegen wollte. Innert Sekunden schlief ich ein, erwachte aber erst nach fünf Stunden wieder. So war das ja eigentlich nicht geplant. Dafür war ich jetzt ausgeruht. Mit dem Fahrrad schaute ich mir die Innenstadt an. Da waren viele Jugendliche auf der Strasse. Einige spielten auf einem kleinen Klavier verschiedene Lieder, andere amüsierten sich mit Schachspielen oder tranken in einem Pub ein wässriges Bier. Ich entschied mich früh zum Hotel zurück zu kehren, um fit für den nächsten Tag zu sein. Ich freue mich, bald den Osten von Amerika zu erkunden. Unsere Sammelaktion über www.myskymile.com haben unterstützt Jeannine Tobler & Jerry Schmid mit 20 Meilen, Andi Koch mit 10 Meilen, ein anonymer Sponsor mit 10 Meilen, Koaladrive Fahrschule Bruno Kurth mit 10 Meilen, Mengia und Silvan Schaller mit 10 Meilen Stefanie Zimmermann mit 10 Meilen, Thedi Stäheli mit 10 Meilen, Nicolà, Andrin, Cornelia& Marcel Gamper mit 3 Meilen, Burga Etter mit 1 Meile. Vielen Dank und mit herzlichen Grüssen aus Denver – Carlo Schmid.