Nach meinem täglichen Morgentraining machte ich mich frühzeitig auf den Weg zum Flugplatz. Das Flugzeug musste aufgetankt werden. Das Wetter an diesem Morgen war nicht schlecht. Einzelnen Nebelfetzen hingen am Himmel, ansonsten war das Wetter gut und fliegbar. Nachdem ich die IFR (Instrument-Flight-Rules) – Clearance (Flugbewilligung) per Funk für die Flugetappe nach Vancouver bekommen hatte, liess ich die Rolls-Roys Turbine starten. Ich linierte in der Mitte der Piste auf und schob den Schubhebel nach vorne. Zügig beschleunigte die Maschine und rotierte nach ein paar hundert Metern. Wie verlangt, flog ich die vorgegebene Start-Flugroute ab. Alles verlief problemlos. Ich war glücklich, dass ich mit dieser Flugetappe nach Vancouver nun die Hälfte meiner 80-tägigen Weltumrundung abschließen konnte. Die anspruchsvollsten Strecken hatte ich geschafft. Wenn das Wetter mitspielt, werden die Etappen durch Amerika voraussichtlich für mich etwas einfacher sein. Hier kann ich das Fliegen so richtig geniessen.

Hohe Bergketten mit weissen, schneebedeckten Gipfeln, Täler mit riesigen Seen und Flüssen, Buchten, Halbinseln und immer häufiger auch grüne Landstriche waren zu sehen. Einmal mehr dachte ich, wie schön das Fliegen ist und wie grossartig es ist, unsere wunderschöne Welt von oben bewundern zu können. Ich dachte an meine ersten Schulungsflüge zurück. Mit dem Velo fuhr ich jeweils zum Flughafen Zürich. Damals war ich noch zu jung für die Autoprüfung. Die Ausbildung habe ich größtenteils mit Nebenjobs am Flughafen und mit meinem Lehrlingslohn abverdient. Eine sehr großzügige Unterstützung erhielt ich von der Fritz-Gerber-Stiftung. Als einzige von 60 Stiftungen reagierte die Stiftung für begabte junge Menschen mit Sitz in Basel auf mein persönliches Schreiben. Die Stiftung hatte Mitte 1999 ihre Tätigkeit aufgenommen und seither über 1’440 begabte junge Menschen mit insgesamt rund 16.6 Mio. Franken unterstützt. (Stand Juli 2012). Auf ausschließlich gemeinnütziger Basis fördert sie begabte junge Menschen mit Wohnsitz in der Schweiz durch Leistung finanzieller Beiträge zur Aus-, Fort- und Weiterbildung. Letztes Jahr durfte ich an einem Jahresanlass der Stiftung teilnehmen. Es wurden hochspannende Projekte von anderen Jugendlichen vorgestellt. Es war ein aufschlussreicher, interessanter Tag, ich lernte viel Neues und Ungewöhnliches kennen. Es ist schön, dass es in der Schweiz eine so positive, engagierte, gemeinnützige Stiftung wie die Fritz-Gerber-Stiftung gibt!

Für mich war diese Unterstützung eine enorme Motivation und Hilfe, um mein grosses Ziel zu erreichen. Nämlich meine fliegerische Fähigkeiten durch gezieltes, unermüdliches und hartes Training auf den Stand zu bringen , der nötig war, um eine Weltumrundung schaffen zu können. Weitere Informationen zur Fritz-Gerber-Stiftung findet ihr unter www.fritz-gerber-stiftung.ch.

Im Cockpit war der monotone Ton der Turbine zu hören. Unter mir breiteten sich dichte, dunkelgrüne Wälder aus. Ich näherte mich Vancouver City. Wegen des schönen Wetters wählte ich heute einen visuellen Anflug. So konnte ich einige Flugminuten sparen. Ich teilte meine Flugroute nach der Sicht zum Flugplatz selber ein und kürzte etwas ab. Sauber landete ich die Maschine in Boundery Bay. Während ich zu meinem vorgegeben Abstellplatz für die Zollstelle rollte, sah ich einen Red Bull Air Racer Flieger. Vorsichtig parkierte ich das Flugzeug und begab mich in Uniform zu der Fliegertruppe, welche rund um den Akroflieger( Akrobatikflugzeug) stand. Bisher hatte ich dieses Flugzeug nur im Fernsehen gesehen. Wir stellten uns gegenseitig vor. Es war der bekannten Air Race Pilot Pete McLeod und Bjarni Tryggvason. Bjarni ist der einzige kanadische Astronaut. Für mich zwei Heroes. Wir unterhielten uns angeregt. Ich nutzte die Gelegenheit, die beiden mit Fragen zu durchlöchern. Als sie erfuhren, dass ich als 22 jähriger mit der einmotorigen Cessna Maschine rund um die Welt fliege , gehörte das Interesse der beiden für den Rest des Tages dem Projekt RTW 2012 und dem RTW-Team. Die Familie Spare aus Vancouver war auch da. Sie luden uns zu sich nach Hause ein, wo wir unsere spannenden Gespräche im Rahmen eines kleinen BBQs fortsetzten. Nun musste ich leider aufbrechen, um nicht zu spät bei meiner Gastfamilie in Vancouver einzutreffen.

Die Gastfamilie wurde durch ProLinguis und deren Partner Schule EC Vancouver organisiert.

Mein Aufenthalt dort, meine Eindrücke von Vancouver, und was das Projekt RTW2012 in der Stadt auslöste, das erfährt ihr im nächsten Bericht.

Diese Flugetappe wurde über www.myskymile.com von Elsbeth & René Nikles mit 15 Meilen, Paul Kakaire mit 20 Meilen, Esther Aeschlimann mit 10 Meilen, Marc Havrilla mit 10 Meilen, Tiziana Birgelen mit 5 Meilen Daniel Bosshard mit 5 Meilen und Nicolà,Andrin, Cornelia & Marcel Gamper mit 3 Meilen mitgetragen.

Vielen Dank und herzliche Grüsse Carlo.