Heute Morgen erwachte ich um 06 Uhr 45. Den Wecker hatte ich am Vorabend auf 07 Uhr 00 gestellt. Ich fühlte mich ausgeruht und fit. Ich sah aus dem Fenster. Ein leichter, grauer Dunst erschwerte die Sicht auf die nähere Umgebung. Die Temperatur schätzte ich auf etwa 20 Grad Celsius. Ein markanter Wärmeunterschied verglichen mit den 35 Grad Celsius in Japan. Im Badezimmer gab es nur kaltes und lauwarmes Wasser. Eine rasche aber erfrischende Dusche war angesagt. Ich knüpfte mein offizielles RTW-Piloten Hemd zu, das mit den vier Streifen an den Schultern, ass ein Brötchen und fuhr mit dem Taxi zum Flughafen. Nach nur zehn Minuten war ich beim Flugzeug. Die Angestellten hier in Sakalinsk nahmen es nicht so genau mit dem Scannen des Gepäckes. Mir war es recht! Ich konnte einfach durchlaufen. Jetzt erledigte ich den Outside-Check rund um das Flugzeug. Sorgfältig untersuchte ich die Cessna auf Beschädigungen, größere Abnutzungen oder auf sonst etwas Außergewöhnliches. Auch das Öl musste vor jedem Flug überprüft werden. An der Türe des Flugzeuges hatte ich am Vortag „Safty Tap“ angeklebt. Das ist nichts anderes als ein rotes Klebeband. Sollte jemand während meiner Abwesenheit die Türe geöffnet haben, kann man das am Band erkennen und kann den Umständen entsprechend mit Maßnahmen reagieren. Das Klebeband war unversehrt. Bald erhielt ich die Freigabe für den Start von der Piste 19. Sämtliche Tanks waren restlos aufgefüllt mit Flugbenzin für die bevorstehende lange Etappe. Der Dunst hatte sich nicht verzogen. Der Überflug fand größtenteils über Wasser statt. Nach den letzten Anweisungen von Sakalinsk Control herrschte Funkstille. Die Reichweite nach Petropavlovsk war zu gross , um sich über VHF Funk ,Very High Frequence, zu verständigen. Nach knapp vier Stunden erfolgte der Anflug nach Petropavlovsk vom Meer her. Die Anleitungen erhielt ich wieder in Metern, statt wie ich es gewohnt war, in feets.

Schon von Weitem konnte ich links und rechts vom Pistenanfang zwei grosse, regungslose Gestalten erkennen. Die eine trug eine Militäruniform, die andere einen Mechaniker- Overall. Ich erschrak! So etwas hatte ich noch nie gesehen. Einen Moment lang dachte ich, „die wollen meine Landung beurteilen oder die überwachen mich hier.“ Und dann kamen auch die Rillen zwischen den Betonplatten vom Runway . Die waren noch breiter als jene von Sakalinsk . Das war kein glattes, sanftes Rollen!

Die beiden Gestalten entpuppten sich als Attrappen. Es waren Vogelscheuchen. Das war nun schon das zweite Mal auf meiner Reise, dass mir Vogelscheuchen einen Schrecken einjagt hatten!

Jetzt musste ich einem grossen Airbus Linienflieger Platz machen. Ich rollte auf dem Taxi-Way Alpha von der Piste 34R weg, vorbei an Militärkampfjets zu meinem Parkfeld. Die Temperatur betrug 20 Grad Celsius. Gleich wie in Sakalinsk. Auf dem Flugplatz machte ich noch einige Fotos und fuhr schliesslich in einem dunkeln Geländewagen Richtung Petropavlovsk City. Die Fahrt dauerte rund 40 Minuten. Die Straßen hier haben keine Löcher, das sind Gräben! Im kalten Winter herrschen da tiefste Temperaturen. Das wird der Grund sein für den schlechten Zustand der Fahrwege. Endlich erreichte ich das einfache Hotel etwas ausserhalb der Stadt. Für mich war diese Flugetappe ein bedeutender Meilenstein. Ich bin froh, sie abhaken zu können. Wegen der Öffnungszeiten am Flugplatz kann ich erst übermorgen weiter nach Anadyr fliegen. Diese Flugetappe wird die längste aller Streckenflüge sein. Ich hoffe, dass dann der Wind auf meiner Seite weht.

Bei dieser Flugetappe haben Patricia, Kim, Emer, Emma und Ronan Rüedi-Crawford mit 10 Meilen, Gabriele Rey-Räbiger mit 10 Meilen und Manuela Cesarini mit 1 Meile

www.myskymile.com unterstützt. Vielen Dank und herzliche Grüsse Carlo