In dieser Nacht schlief ich wenig. Ich dachte über das Leben nach, über mich und mein Umfeld. Zum ersten Mal seit meinem Takeoff am 11. Juli 2012 in Dübendorf fühlte ich mich einsam. Ich vermisste meine engsten Freunde, meine Familie und ganz speziell das RTW-Team. In den letzten Jahren hatte mich das Team unglaublich unterstützt. Ohne diesen Support wäre ich vermutlich nie in dieser Form rund um die Welt geflogen. Es ist unbeschreiblich, den unermüdlichen, hochmotivierten Einsatz jedes einzelnen Team-Mitglieds zu sehen! Damiano Rezzonico, Fabian Karlovich, Roger Büschlen, Simon Schneider, Adrian Bretscher, Fabian Frauenfelder, Urs Lustenberger, Ale Manfredi, Marianne Egli, Jerry Schmid, Orlando Paganoni, Mike Mollinari und viele Helferinnen und Helfer! Alle diese Personen schätze ich zutiefst. Während der Arbeit mit den Medien, vor dem Abflug für die Weltumrundung war es jeweils mein grösster Wunsch, zusammen mit dem RTW-Team aufzutreten. Alleine bin ich niemand – mit dem Team sind wir das Projekt RTW2012. Herzlichen Dank an alle Beteiligten!

Nach der kurzen Nacht blieb mir genügend Zeit für die letzten Vorbereitungen für den Flug. Der Abflug wurde um zwei Stunden verschoben, da die Einfluggenehmigung in Russland noch einige Schwierigkeiten verursachte. Mit Unterstützung von Apogee in Dubai und Premium Jet in Zürich konnten diese Probleme jedoch schnell und professionell gelöst werden. Der Start verlief ohne größere Schwierigkeiten. Aber Fliegen in Russland ist anders! In Europa und Asien und während meiner gesamten Flugausbildung hatte ich gelernt, in Feet (Fuss) zu fliegen. Beim ersten Funkkontakt mit Russland erhielt ich eine Anweisung auf eine Höhe in Metern herabzusinken. Das war gewöhnungsbedürftig. Überhaupt war das Funken mit dem Controller in Russland schwierig. Die Funkverbindung war schlecht. Man hörte ständig ein lautes Rauschen und die Stimme, die Anweisungen gab, hörte man nur im Hintergrund. Gleichzeitig war auch die Aussprache schwer verständlich. Teilweise antwortete der Controller in Russisch, was ich leider nicht verstand. Hartnäckig forderte ich eine Wiederholung des Funkspruches, bis ich ihn verstanden hatte. Der Anflug führte auf die Piste 19 über die Stadt Sakalinsk. Etwas heikler war dann die Landung und das spätere Rollen auf der Piste und auf dem Taxyway (Rollweg). Die Piste setzte sich aus einzelnen Betonplatten zusammen. Zwischen den Betonplatten klaffte ein größerer Abstand. Sollte im Falle eines Krieges ein Teil der Piste beschädigt werden, so konnten innert kürzester Zeit die Platten ersetzt werden und schon hatte man wieder eine funktionstüchtige Piste. Langsam und sehr vorsichtig rollte ich zu meinem Parkfeld. Bei jeder Überquerung einer Rille war ein Schlag auf die Räder zu spüren. Der Abstand vom grossen Propeller der HB-RTW zum Boden betrug da nur noch ein paar Zentimeter. Bloss eine kurze Berührung mit dem Boden genügt und die Turbine (Flugzeugmotor) müsste ersetzt werden, was das Ende der Weltumrundung bedeuten würde. Schliesslich stellte ich den Motor ab und stieg aus dem Flugzeug aus. Sofort empfingen mich fünf Russen in Uniform. Auf der Schulter waren Sterne in Form eines Abzeichen zu sehen. Jeder Beamte trug einen überdimensionalen Hut. Auch der war mit einem Stern versehen. Wir konnten uns sehr schlecht auf Englisch verständigen. Ich überreichte ihnen die notwendigen Dokumente und Bewilligungen und meinen Pass mit dem russischen Visum. In der Zwischenzeit tankte ich den Flieger auf. Für den nächsten Flug nach Petropavlovsk. Dann musste ich rund eine Stunde beim Flugzeug warten, bis mich eine Person abholte und mich außerhalb des Flughafens begleitete. Ich nutze die Zeit und schaute mich in der Umgebung etwas um. Da standen lauter altmodische Linienbusse herum. Sie standen im krassen Gegensatz zu den hochmodernen Verkehrsmitteln in Japan. Der Menschenschlag war hier auch eher westlich. Die Stimmung herb, schroff und kühl. Es wird mit alten und schweren Gefährten gefahren. Nun musste der amtliche Papierkram erledigt werden.Die Russen benutzen kein Durchschlagpaper. Ich musste die einzelnen Formulare gleich vier oder fünf mal ausfüllen. Mit einem veralteten, schwarzen Jeep fuhr ich schliesslich zum Hotel. Die Strasse war uneben, die Fahrt sehr holperig. Im Hotel nahm ich einen kleinen Snack zu mir und ruhte mich etwas aus. Morgen folgt die Flugstrecke nach Petropavlovsk. Einzelheiten dazu erfährt ihr morgen Abend. Bei dieser Etappe haben Bea und Patrick Schmid mit 50 Meilen, Peter R. Marty- Bouvard mit 5 Meilen, Manuela Cesarini mit 1 Meile www.myskymile.com unterstützt. Vielen Dank und herzliche Grüsse – Carlo.