Nach einer kurzen Nacht im Crew-Hotel fuhr ich zum Flughafen Ahmedabad. Die Fahrt dauerte bloss fünf Minuten mit dem Drei-Rad-Taxi. Es folgten mühsame zweistündige Sicherheitskontrollen, die ich über mich ergehen lassen musste, bis ich endlich zum Flugzeug konnte. Ich musste mich beherrschen, ruhig, zuvorkommend und verständnisvoll zu bleiben. Mit vollgetankter Cessna flog ich los, Richtung Nagpur. Die starke Bewölkung und die daraus folgenden heftigen Turbulenzen sorgten für einen unruhigen Flug. In Nagpur angekommen, überflog ich zuerst den Flugplatz (siehe Foto). Dort stand ein uraltes Linienflugzeug, welches wohl kaum mehr flugtüchtig war. Der Flugplatz sah etwas vernachlässigt und abenteuerlich aus. Nichts desto trotz führte ich den Landeanflug fort und setzte den Flieger sicher und ohne Schwierigkeiten auf. Nach dem Halt auf der Landepiste, musste ich die HB-RTW um 180° drehen, um zu meiner Parkposition zu gelangen, da am Ende der Piste kein Rollweg mehr wegführte. Ein einheimischer Arbeiter signalisierte mir den Weg bis zum Stillstand. Ich schaltete die Turbine aus und öffnete die Türe. Das erste, was ich hörte, war ein Knall! Ich erschrak fürchterlich und konnte mir überhaupt nicht vorstellen, woher der kam. Schnell verliess ich das Flugzeug und versuchte das Geräusch zu orten. Da war nichts zu sehen. Ich fragte den Arbeiter, welcher mich bei der Parkposition eingewiesen hatte. Er antwortete in einem schlecht verständlichen Englisch – „For birds Sir! Get them away from the runway“. Nochmal eine Detonation! Das wiederholte sich im Zweiminutentakt. Die Vögel sollten so verscheucht werden! Es klang wie Schüsse aus einer Pistole. Ich war erleichtert und ich war glücklich zugleich, dass ich solche Episoden auf meiner Weltumrundung erleben durfte. Jetzt forderte ich nochmals den Fuel-Tanker an. Ich wollte die Zeit, welche ich heute Morgen bei den Security-Checks verloren hatte ,aufholen. Nach nur 40 Minuten war ich auch schon wieder bereit für den Start. Die Tanks aufgefüllt und alles bezahlt. „HB-RTW you are cleared to Culcatta as flight plan route, turn after takeoff right on track and clime to flight level 230“. Das war die Bewilligung und Anweisung für den nächsten Flug nach Culcatta. Das Wetter war hier auch nicht besser! Auf der Funkfrequenz war äusserst viel zu hören. Alle 50 Meilen musste ich ein Heading-Change verlangen, um nicht in die grossen Gewitterwolken einzufliegen. Bald folgte auch der Sinkflug für die Landung in Culcatta. Gemäss letztem Wetterbericht sollten die Verhältnisse für die Landung kein Problem sein. Erwartet aber hat mich ein Anflug mit einem gewaltigen Regenguss, Seiten- und einem kleinen Komponenten Rückenwind sowie einer extrem tiefen Wolkenbasis. Die Flugpiste konnte ich erst kurz vor dem Aufsetzen sehen. Auf der Piste lag so viel Wasser, dass ich sehr vorsichtig beim Ausrollen sein musste. Ueberall spritzte das Wasser hoch. „Das wird gar nicht lustig, hier aus dem Flugzeug auszusteigen“ dachte ich bei mir. Sicher rollte ich zu meiner Parkingposition. Ich holte mein Gepäck heraus. Etwas müde setzte ich mich in den alten Jeep , in dem ich zum Hotel gefahren wurde. Links und rechts am Strassenrand sah ich Leute, die vermutlich dort auf der Strasse leben. Das Hotel stand mitten in einem Slum. Es roch nach verbranntem Plastik und überall lag Schlamm. Beim Hoteleingang durchquerte ich eine uralte Sicherheitskontrolle (Screening). „Bei uns in der Schweiz würde ein solches Gebäude wohl abgerissen werden! „ dachte ich. Ich bezog mein winziges Zimmer. Es kostete knapp 15 Dollars. An der Decke hing ein Ventilator . Das Fenster stand offen .Es hatte keine Scheiben. Der Lärm von der Hauptstrasse nebenan war laut zu hören. Ich warf mein Gepäck in eine Ecke , begab mich sofort zum Hoteleingang zurück und fragte nach einem Telefon, da mein Mobile hier in Indien nirgends Empfang hatte. Schnell arbeitete ich eine Liste von Journalisten ab. welche versucht hatten, mich anzurufen, um eine Story über das Projekt RTW2012 zu veröffentlichen. New Dheli News , Culcatta News, India Times, etc. Die meisten konnte ich mit Telefoninterviews zufrieden stellen. Ein Reporter einer lokalen Zeitung kam im Hotel vorbei. Es war bereits spät abends .Wegen der Verspätung im Zusammenhang mit meinem 72-Stunden Visa konnte ich leider nicht mit der örtlichen Kontaktperson von UNICEF sprechen , um über das Projekt Mädchen-Bildung in Indien zu diskutieren. Im Rahmen von RTW2012 war es uns immer wichtig , als junges Team ein Zeichen zu setzen. Einerseits mit dem neuen Weltrekord, aber auch in dem wir uns für Kinder in Entwicklungsländern einsetzen. Schon meine Eltern haben sich für UNICEF engagiert. Solidarität und Engagement gegenüber benachteiligten Menschen hat in unserer Familie Tradition. UNICEF Schweiz ist die Begünstigte unseres Projektes. So fliesst der gesamte Reinerlös, den wir mit RTW2012 und den damit verbundenen Spendensammelaktionen erwirtschaften, exklusiv an UNICEF Schweiz, zugunsten von Mädchenbildungsprojekten in Indien. Die Charity-Idee des Projektes ist für mich persönlich extrem wichtig, da ich den Flug um die Welt meiner leider verstorbenen Mutter widme und ihre grosszügige Persönlichkeit im Projekt so wiederspiegeln möchte. – Bildung wurde in Indien lange Zeit klein geschrieben – insbesondere Mädchenbildung. Gerade in ländlichen Gebieten halten Eltern oft wenig davon, ihre Töchter in die Schule zu schicken. Zeitverschwendung, Fehlinvestition – so lauten ihre Hauptargumente. Bildung ist aber der Schlüssel zur persönlichen Entwicklung eines Kindes. Ausserdem trägt sie massgeblich zur Entwicklung eines Landes bei. Gelingt es einem Entwicklungsland, die Bildung (Alphabetisierung) vor allem der Frauen voranzutreiben, sinkt erfahrungsgemäss die Kindersterblichkeit und die Geburtenrate und das Pro-Kopf-Einkommen nehmen zu (gemäss UNICEF). Mädchenbildung gehört deshalb zu den Prioritäten der Arbeit von UNICEF. Bis heute profitierten über 400‘000 indische Kinder von dieser Bildungsinitiative. Eine Initiative, die mir sehr unterstützungswürdig scheint! www.unicef.ch. Mit unserer Kampagne MySkymile kann jeder ein Teil einer Weltrekord Flugetappe werden und unsere Sammelaktion zugunsten von UNICEF unterstützen. Ich hoffe natürlich, dass wir auf unserer Weltrekord- Route möglichst viele Namen eintragen dürfen. Vielen Dank. An diesem Abend ging ich ziemlich spät wieder in mein Zimmer zurück, trank noch einen Liter Wasser und versuchte einige Stunden zu schlafen. Morgen führt mich die Flugroute nach Thailand, Chiang-Mai. Vielen Dank – Carlo.

Folgende Personen sind Teil dieser Weltrekord-Flugetappe durch Indien: Stefanie Zimermann -> 12 Meilen, Martin Götz -> 10 Meilen, Freshpicel.ch (Manuel Fischer) -> 11 Meilen, Regular Stefanelli -> 1 Meile, Bernadetto Werro -> 1 Meile